Die diesjährige Saison ist unerbittlich. Der enge Terminkalender der Europäischen Drag Racing Meisterschaften der FIA/FIM-Klassen, die die Teams in sechs Rennen durch vier europäische Länder führt, brachte Mensch und Maschine ans Limit. Das Finale in Santa Pod (UK) ist das dritte Rennen in vier Wochen. Und trotzdem: Schwächeln kann sich keiner leisten, denn jetzt geht es um alles oder nichts.

Preview FIA Finals 2016
Die Highlights der FIA-Autoklassen im Überblick:

Egal ob ihr vor Ort in Santa Pod seid oder das Rennen ab Freitagabend über den Livestream verfolgt – bei den FIA-Autoklassen gehören vor allem die Rennen der Top Fuel Dragster und Pro Modifieds zum Pflichtprogramm. In beiden Klassen liegen die Führenden der jeweiligen Tabellen so dicht beieinander, dass letztendlich sogar die beispielsweise durch Top Speeds und schnellste E.T.s gesammelten Bonuspunkte über Sieg oder Niederlage entscheiden könnten.

Anita Mäkelä @ Nitrolympx 2016TOP FUEL DRAGSTER: Mit nur 17 Punkten Vorsprung führt Anita Mäkelä aus Finnland vor Stig Neergaard aus Dänemark. Für den amtierenden Champion Mikael Kågered aus Schweden, der 98 Punkte hinter der Finnin liegt, dürfte es eher schwer werden, seinen Titel zu verteidigen. Der Schweizer Urs Erbacher, selbst mehrfacher Top Fuel Champion, hat in dieser Saison nicht alle Rennen absolviert und liegt derzeit mit 135 Punkten auf Rang 6 hinter Liam Jones (UK) und Stefan Gunnarsson (SWE).

PRO MODIFIED: In der Klasse Pro Modified könnt ihr schon mal neben Bier und Chips auch Baldriantropfen bereitstellen, oder was ihr sonst so braucht, um nervenbedingt über die Runden zu kommen. Micke Gullqvist, fünffacher FIA-ProMod-Champion, musste mit seinem frühen Ausscheiden in Tierp zusehen, wie seine Führung weiter schrumpfte. Er liegt nur noch acht (!) Punkte vor dem Schweizer Bruno Bader, der ihm schon beim Main Event mit einem sensationellen Finallauf den Sieg abgenommen hatte.

Bruno Bader (CH) bei den Nitrolympx 2016
Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, nur schneller: Bruno Bader (CH) @ Nitrolympx 2016 | Foto: Barbara Nabholz

Zudem gibt es noch Mats Eriksson. Der Schwede lauert auf Rang 3 mit gerade mal 26 Punkten Rückstand auf den Sieg, gefolgt von seinem Landsmann Johan Lindberg mit 64 Punkten. Unter den insgesamt 19 Teilnehmern aber auch Teams, die durchaus in der Lage sind, bei den Eliminations die Karten neu zu mischen. So zum Beispiel der Niederländer Marck Harteveld (Rang 8), der in Hockenheim für einen sensationellen Aufschrei sorgte als er Micke Gullqvist mit einem Holeshot aus dem Rennen katapultierte und erst im Finale von Johan Lindberg besiegt wurde. Das deutsche Kuno Racing Team, mit 115 Punkten auf Rang 11, freut sich sicher übers Daumen drücken und einen erfolgreichen Saisonabschluss für Norbert Kuno. Das gleiche gilt für Hussain Al Shammari aus Kuwait, der den zweiten Dodge Avenger aus dem Hause Kuno fährt und beim diesjährigen Main Event zu seiner ersten FIA-Saison in Europa angetreten ist. Mit 94 Punkten liegt er auf Rang 15.

Norbert Kuno und Hussein Al Shammari
Norbert Kuno (hintere Bahn) und Hussein Al Shammari (vorne) fahren in die Burnout-Zone @ Nitrolympx 2016 | Foto: Barbara Nabholz
Jimmy Ålund (SWE) bei den FIA Finals 2015
Jimmy Ålund (SWE) gewinnt das Rennen in Santa Pod 2015 vor Thomas Lindström (SWE), der trotz der Niederlage die Meisterschaft mit 16 Punkten Vorsprung vor Ålund für sich entscheiden konnte. | Foto: Barbara Nabholz

PRO STOCK: In der Klasse Pro Stock dreht sich alles um die eine Frage: Kann Jimmy Ålund seine 10. Europameisterschaft gewinnen? Aktuell sieht es ganz danach aus. Mit 37 Punkten Vorsprung liegt er vor seinem schwedischen Landsmann Bengt Ljungdahl, der ihm den Sieg aber sicher nicht schenken wird. Ljungdahl siegte im August nicht nur im schwedischen Tierp, sondern fuhr mit 6.498s gleich noch einen neuen E.T.-Europarekord.

TOP METHANOL DRAGSTER: Was den Titel des Europameisters betrifft, ist hier im Prinzip schon fast alles in trockenen Tüchern: Im August fuhr Johnny Lagg in Tierp mangels Teilnehmer alleine durchs Ziel und konnte damit sein Konto mit 73 Punkten gut polstern. Der Abstand zum zweitplatzierten Chris Polidano aus Malta ist mit 100 Punkten relativ groß – so groß, dass schon sehr viel Unvorhergesehenes passieren müsste, um das Blatt zugunsten der Konkurrenz noch zu wenden.

Dennis Habermann @ Santa Pod Finals 2015
Dennis Habermann, amtierender FIA-Champion Top Methanol Dragster, nach seinem Sieg bei den Finals 2015 | Foto: Barbara Nabholz

An Höhepunkten mangelt es der Klasse dennoch nicht, denn neben der FIA-Trophäe gibt es natürlich auch noch den Santa-Pod-Pokal der letzten Meisterschaftsrunde zu gewinnen. Dennis und Timo Habermann vom deutschen Werner Habermann Racing, die 2016 bislang nur in Hockenheim am Start waren, werden ihr Können in Santa Pod sicher noch einmal unter Beweis stellen wollen. Denn vor genau einem Jahr gab es hier in Santa Pod einen glamourösen Habermann’schen Doppelsieg. Mit 59 Punkten liegt der amtierende Champion Dennis Habermann derzeit auf Rang 5, Bruder Timo Habermann landete durch seinen Sieg in Hockenheim mit 104 Punkten auf Rang 3.

Jndia Erbacher @ Nitrolympx 2016
Ein schicksalhafter Burnout bei der Nitrolympx 2016 für Jndia Erbacher. | Foto: Barbara Nabholz

Mit nagelneuer Lizenz in der Tasche absolvierte die Schweizerin Jndia Erbacher bei den Nitrolympx ein starkes Debut. Ihr Sieg über Jonny Lagg brachte sie ins Halbfinale, in dem sie mit einem lockeren Bye-Run ein sicheres Ticket ins Finale gehabt hätte. Ihr Motor machte ihr leider einen Strich durch die Rechnung – nach dem Burnout ging er einfach aus und nicht mehr an. Jndia Erbacher (mit 54 Punkten auf Rang 6), die ihre Lizenzläufe in den USA absolvierte, wird nun das erste Mal an der britischen Startlinie stehen und ihr zweites Rennen in Europa fahren. Auch Rod Harrison hatte Pech und musste bei der Nitrolympx sogar mit einem Motorschaden nach Hause fahren. Vor heimischem Publikum wird er ebenso wie sein Landsmann Dave Wilson sicher alles daran setzen, die Saison mit einem positiven Ergebnis ausklingen zu lassen.

TOP METHANOL FUNNY CAR: Wirkliche Entspannung gibt es nur bei den Top Methanol Funny Cars, denn der Sieger steht schon seit August fest: Der Finne Johnny Oksa sicherte sich den Titel durch seinen Sieg in Tierp. Weder er noch sein Landsmann Ari Pietilä gehen in Santa Pod an den Start, und auch das deutsche TMFC-Team um Jürgen Nagel (mit 95 Punkten auf Rang) fehlt im Starterfeld. Für den amtierenden Europameister Leif Andreasson, der mit 125 Punkten auf Rang 3 liegt, zumindest eine Gelegenheit, sich noch ein paar Punkte zu sichern und wenigstens mit einem Event-Pokal nach Hause zu gehen. Die einzige, die da noch ein Wörtchen mitzureden hat, ist Stephanie Milam.

Preview FIM E Finals 2016
Die Highlights der FIM-Motorradklassen im Überblick:

TOP FUEL BIKE: Satte 44 Punkte Vorsprung hat der amtierende und mehrfache Europameister Ian King vor dem Schweden Rikard Gustafsson und dem Holländer René van den Berg. Beide teilen sich mit jeweils 111 Punkten den zweiten Rang. Mit 13 Fahrern, die in Santa Pod an den Start gehen, ist das Feld der Top Fuel Bikes groß genug, um vielleicht die eine oder andere Überraschung zu erleben.

SUPER TWIN BIKE: Samu Kemppainen aus Finnland scheint dieses Jahr nichts und niemand aufhalten zu können. Ob Martijn de Haas es noch schafft, ist eine Rechnung mit mindestens einer Unbekannten. Derzeit liegt der Holländer 43 Punkte hinter dem Finnen auf dem zweiten Platz.

Samu Kemppainen (FIN) @ Nitrolympx 2016
Fährt die Viertelmeile auf dem Hinterrad ins Ziel: Samu Kemppainen (FIN) | Foto: Barbara Nabholz
Laseur-Nox2016
Gert-Jan Laseur (NL) siegt bei der Nitrolympx 2016 vor Fredrik Fredlund (FIN) | Foto: Barbara Nabholz

PRO STOCK BIKE: Auch die Pro Stock Bikes bergen Potenzial für Spannung. Der Holländer Gert-Jan Laseur konnte sich mit seinem Sieg in Hockenheim einen deutlichen Vorsprung von 43 Punkten vor dem Briten Alex Hope und Fredrik Fredlund aus Finnland sichern, die mit 113 bzw. 112 Punkten auf Platz 2 und 3 liegen. Kampflos werden sie ihm das Feld nicht überlassen, so viel steht fest.

Thomas Granica @ Nitrolympx 2016
Thomas Granica (GER) könnte sich in Santa Pod durchaus noch einen der vorderen Ränge ergattern. | Foto: Barbara Nabholz

SUPER STREET BIKE: Bei den Super Street Bikes gab es in dieser Saison schon einiges an Nervenkitzel – auf dem Bike wie auf den Zuschauerrängen. Steve Venables, aktuell mit 174 auf Rang 3, durchbrach beim Main Event mit 6.9355s als erster Super Street Biker die 7-Sekunden-Mauer und setzte mit einem neuen Geschwindigkeitsrekord bei der Nitrolympx gleich noch eins drauf. Thomas Granica vom deutschen Team Joker, der mit dem dritten Tabellenplatz nach Hockenheim reiste, musste aufgrund eines technischen Problems noch an der Startlinie umkehren und konnte so aus seiner achten Qualifying-Position nichts herausholen. Mit 144 Punkten liegt er in der Tabelle nun auf Rang 5 hinter Tabellenführer Rick Stubbins (UK) mit 188 Punkten, dem zweitplatzierten Jean Buttigieg aus Malta mit 177 Punkten, Steve Venables (UK) folgt mit 174 Punkten auf Rang 3 und Gary Bowe (UK) mit 166 Punkten auf Rang 4.


Text & Fotos: Barbara Nabholz